Archiv für das Tag 'politische Eliten'

Lars Zimmermann

Kein Volk von Hedonisten?

Heute lese ich in der Welt am Sonntag einen Artikel “Kein Volk von Hedonisten” von Martin Kroh. Er befaßt sich mit dem Wertewandel in der jüngeren Generation, der sich nicht mit der polemischen Formel „Spaßgesellschaft” erklären läßt. Aber warum nun greife ich das hier im Blog auf?

Seit dreizehn Jahren nun befasse ich mich mit dem breiten Feld der Veränderungsprozesse in der deutschen Wirtschaft. Gerade in der intensiven Arbeit mit Klienten, beispielsweise beim Erstellen von sogenannten Drehbüchern, fällt mir immer wieder ins Auge, wie schwer der banal klingende Satz „Betroffen zu Beteiligten machen” umzusetzen ist . Und: Wie wenig man zu oft bereit ist, sich wirklich intensiver und tiefer mit dem Begriff VERÄNDERUNG auseinanderzusetzen. Was soll das denn genau sein – Veränderung? Was soll anders sein als heute? Wieviel Zeit will man sich für eine Auseinandersetzung nehmen? Wie emotional darf sie sein? Inweiweit ist man bereit zu erkennen, dass bei Regelbrüchen der Zustand des Bisherigen erst einmal schlechter wird, um dann mittelfristig besser zu werden. Herr Kroh schreibt mir heute aus der Seele: „Die traditionelle Industrie-Mentalität, die Leistung am besten durch Kontrolle und die Autorität von Vorgesetzten zu erzwingen sucht, hat hingegen keine Zukunft mehr. Nur zögerlich nimmt die Wirtschaft diese neue Realität an und ändert entsprechend ihre Methoden der Personalführung…”.

Als politisch interessierter Zeitgenosse lese ich auch mit Freude: “Und auch die politische Willensbildung scheint dieses neue Selbstbewußtsein noch nicht angekommen zu sein. Wie sonst ist es zu erklären, dass jüngst der Kanzlerkandidat und der Vorsitzende der Volkspartei SPD in Hinterzimmern durch einen kleinen Zirkel selbst ernannter politischer Eliten bestimmt und nicht nur den vielen Parteimitgliedern, sondern sogar dem Vorstand lediglich zum Abnicken präsentiert wurde?”

Dabei frage ich mich gerade: Ist das nicht eher der Normfall? Wo unterscheiden sich genau in diesem Punkt große von kleinen Organisationsstrukturen?