22.02.2012
Heiligendamm: Eine Geschichte zum Lernen und Nachdenken
Beruflich brachte mich die Tage eine Stippvisite nach Heiligendamm. War das nicht der mondäne Ort für Busch, Merkel & Kollegen vor Jahren?
Schaut man sich den Ort genauer an, stellt man fest: Irgendetwas ist merkwürdig. Hier stimmt was nicht! Komische Zuwegungen, viele Zäune, wenig Freude für Otto Normalbürger.
Der Immobilienfonds und deren Anleger scheint das Glück nicht hold zu sein. Man könnte sagen: Ein Desaster – ohne Ende? Die Tourismus-Strategie hat offensichtliche Fehlzündungen. Das merkte ich spätestens, nachdem Schlick an meinen Schuhen klebte und die hinterm Zaun mich verwundert musterten. So nach dem Motto: Was will der denn da am Strand? Doch nicht etwa Spazierengehen? Bei dieser offensichtlich gezeigten Abneigung ist man fast geneigt zu fragen: Warum hat man den G8-Zaun eigentlich wieder abgebaut? So wäre zumindest die Tourismus-Strategie klarer, oder?
Blicke ich als Maschinenbau-Interessierter darauf, frage ich mich: Was gibt`s aus diesem Desaster zu lernen? Ich denke, eine ganze Menge! Haben Sie Lust, darüber zu streiten? Gerne doch. Eine Mail reicht!
PS Ach ja, fest hätte ich`s vergessen. Etwas Versöhnliches gab`s dann doch noch für mich. Einen Artikel zu einer Maschinenbau-Innovation. Für mich als Wanderer eine gute Botschaft. Klasse!





Schön, wieder einmal durch die Augen der Gäste seiner Heimatstadt blicken zu dürfen. Darüber streiten will ich nicht aber die Medaille hat wie immer zwei Seiten: Bei der Eröffnung 2003 waren da noch keine Zäune, sondern im Gegenteil öffentlich nutzbare Wege quer über das Hotelgelände.
Dann kamen die Menschen und wollten das Wunder von Heiligendamm sehen – erst nur hunderte, später tausende, zuletzt organisierte Bustouren (“Reiche-gucken”). Folge: Die Hotelgäste kamen nicht wieder, dem neuen Hotel drohte der Ruin. Folge-Folge: Ein Rostocker Professor arbeitete Möglichkeiten aus, die darauf hinaus liefen, die Anzahl der Wege über das Hotelgelände für die Öffentlichkeit zu beschränken.
Es gab Protest, es gab ein Expertenkolloquim, in dem Hotel, Wirtschaft, Stadt, Politiker, Experten und Bürger wochenlang an Lösungen arbeiteten und am Ende der Geschichte stand die Entwidmung von Straßen und Vererbpachtung an das Hotel und die Investorengruppe und die Erlaubnis, sich mit einer bestimmten Art und Höhe von Zäunen einzufrieden. Mit der Bedingung, dass dies eine Übergangslösung bis 2011 ist und das Hotel dann nachweisen muss, dass es eingezäunt besser funktioniert, als zaunlos und mit den weiteren Bedingungen, dass es mit der Median-Klinik eine Vereinbahrung gibt, damit ihre Patienten das Hotelgelände überqueren dürfen und, dass 20% der Investitionssumme in den Wiederaufbau der Perlenkette investiert sind.
In der Folgezeit gründeten sich Vereinigungen, deren Ziel es einzig sein sollte, dahin zu wirken, dass diese Bedingungen nicht erfüllt werden können – auch um den Preis, dass das Hotel dadurch Pleite geht und das Zugpferd der Luxushotelerie in MV zusammenbricht. Mit der stetigen Verhinderung der B-Plan-Änderungen für die marktgerechte Sanierung der Perlenkette ist es diesen Leuten gelungen, die Sanierung bis 2010 hinaus zu zögern und damit diese Bedingung madig zu machen. Das eine ergibt das andere: Schlechtes Umfeld ergibt schlechte Auslastung – aber das Hotel hätte anhand trotzdem belegen können, mit Zäunen erfolgreicher zu sein als ohne.
Also blockierte man seit 2011 den Verkauf einzelner Villen zum Zwecke der Sanierung durch Dritte, indem man ein simples und von Amts wegen dem Investor zustehendes Attest einfach nicht ausstellte, sondern stattdessen eine riesige Farce von sinnlosen Sitzungen zu nichtigen Themen aufzog. Am Ende stand die Insolvenz des Grand Hotels – damit hatten die Gegner des Projekts ihr Ziel erreicht. Nun gehen sie daran, ganz legal alle Verträge wieder auszuhebeln und das zusammenhängende Hotelareal zu zerschlagen und zerstückeln. Lediglich stellt der Insolvenzverwalter eine Hürde dar – zum Glück für das Grand Hotel, dessen Tod sicher wäre, würde man sein Grundstück zerschlagen und damit jegliche Infrastruktur zerstören.
Die eigentliche Entwicklungschance liegt ein wenig weiter östlich: Hier entsteht neben dem ältesten das jüngste deutsche Seebad und dieses kann das klassische Jedermann-Angebot bieten, das Heiligendamm niemals bieten konnte und für das es nie geplant, gebaut und genutzt wurde (auch zu DDR-Zeiten war dies eine reine Kurdomäne nur für Leute mit Einweisung). Bad Doberan ist der Unterbau Heiligendamms und war stets dazu gedacht, die Gäste des Seebades zu bedienen und ihnen Vergnügen und Gesellschaft zu ermöglichen. Leider hat die Münsterstadt ihre Aufgabe vergessen und orientiert sich fast nur noch am Massentourismus, lässt dabei die Chancen ungenutzt, die gut betuchte Gäste mit prallen Geldbörsen bringen (und mangels Möglichkeiten vor Ort diese in Kühlungsborn und Warnemünde leeren).
Die Hotelgäste können am Wenigsten für dieses Desaster. Sie wollen Urlaub machen und finden auch das, was in ihren Prospekten steht. Nur der Tagesgast findet hier nicht das, was er in den Prospekten findet, denn dazu müsste er in das Hotel (was über die Kühlungsborner Straße – also gefühlt von “hinten” (es ist historisch das “Vorne”) auch geht – da ist eine Klingel am meist nur angelehnten Tor.).
Der Tagesgast findet keine Strandversorgung, weil einige Stadtvertreter hier die Interessen ihrer Parteifreunde vertreten und dadurch das Konzept des Gegners blockieren. Obwohl es seit Jahren zwei Standorte und Konzepte für Strandversorgungen gibt, geht Heiligendamm auch in diese Saison mit Buden und Wagen am Schotterparkplatz. Das aber ist Sache der Stadt – was kann denn der Investor dafür, wenn diese ihre Flächen lieber als Parkplätze verramscht, statt etwas brauchbares anzusiedeln?
Und was kann der Gast dafür, der verdutzt zu dem Tagesgast herüber schaut, der da im Winter am Strand spazieren geht? Auch nichts. Und der Tagesgast kann auch nichts dafür. Er kann nur versuchen, es zu verstehen. Indem Sie zur Diskussion auffordern, sind Sie einer von denen, die nicht nur meckern, sondern auch verstehen wollen.
Vielleicht trägt meine kurze Schilderung ein klein wenig zum Verständnis der Situation in Heiligendamm bei. Diskutieren Sie bitte mit anderen darüber, damit ein wenig Licht in das neblige Thema kommt. Wenn Sie sich an die Fakten halten, tun Sie damit etwas Gutes.