Monatsarchiv für Dezember 2008

Ich lese heute in der FR-online.de von einem Maschinenbaustudenten, der die Welt nicht mehr versteht: Warum nur immer dieses destruktive Verhalten in der Einstellungspolitik vieler potenzieller Arbeitgeber?

Der Orginaltext lautet: “Ich schreibe gerade die letzten Klausuren in Maschinenbau. Im nächsten Jahr will ich dann meine Diplomarbeit schreiben, am liebsten extern in der Fahrzeugindustrie. Ich forsche zum sogenannten “Packaging”, also darüber, wie die einzelnen Dinge am Auto verteilt sind, wie die Karosserie auszusehen hat, ob der Motor vorne oder hinten sitzen sollte und wie ich ein optimales Raumgefühl in meiner Autoklasse zum Beispiel über die Einstellung der Sitze erreiche.  Bislang habe ich es aber echt schwer damit, ein Unternehmen zu finden, das meine Diplomarbeit betreut. Obwohl die Technische Universität hier in Aachen europaweit renommiert ist und bislang die meisten Diplomanden locker zwischen Firmen auswählen konnten, ist es jetzt in der Krise deutlich schwieriger geworden, Verbindungen zu knüpfen. Ich habe auf einer Firmenkontaktmesse fünf oder sechs Firmen angesprochen; sie waren alle zögerlich und haben gesagt, sie müssten erst einmal die wirtschaftliche Entwicklung abwarten, bevor sie Jobs besetzen könnten. Jetzt werde ich meine Suche noch auf die Nutzfahrzeugbranche und auf Ingenieurdienstleister ausweiten. Ganz wechseln möchte ich die Branche aber nicht. Ich bin der festen Überzeugung, dass es sich gerade um kurzfristige Panikreaktionen handelt und dass früher oder später die Automobilbranche wieder viele Entwickler braucht. Allein schon, um die neuen Normen der EU für ihre Karosserien umzusetzen.”

Wie sehen Sie das: Sollten Firmen eher antizyklisch auch in Ihrer Einstellungspolitik agieren? Was ist Ihre Meinung dazu?

Die deutschen Maschinenbauer blicken trotz eines Auftragsrückgangs und schwieriger Finanzierungsbedingungen optimistisch ins neue Jahr. Die Branche rechnet – im Gegensatz zu vielen anderen Industriezweigen – 2009 nicht mit einer Rezession, sondern geht von einer stabil bleibenden Produktion auf Vorjahresniveau aus. Während die Textil- und Baumaschinenproduzenten tief im Minus seien, erwarteten manche Firmen 2009 das beste Jahr ihrer Firmengeschichte, teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Montag in Frankfurt mit. Die vergangenen fünf Wachstumsjahre in Folge bildeten ein gutes Polster. In diesem Jahr soll die Produktion um fünf Prozent zulegen. Von Januar bis Oktober waren es bereits sieben Prozent Plus.

Einige Maschinenbauer litten unter dem Einbruch in der Automobilindustrie. Immerhin gehe ein Fünftel des Branchenabsatzes an die Autokonzerne. Der Verband warnte aber vor Schwarzmalerei. “Wir haben die Zeiten des Hiob”, sagte VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse. “Da fragt man sich: Sind die Zeiten wirklich so schlecht oder ist nur die gefühlte Lage schlecht?”. Bei den Maschinenbauern reichten die Aufträge noch für mehr als ein halbes Jahr. “Das ist ein irrsinniger Hoffnungswert.”

Trotz vieler Klagen aus anderen Branchen erhielten die Maschinenbauer weiterhin ausreichend Kredite von den Banken. “Da brennt nichts an”, betonte der Verband. Dies habe eine Umfrage Anfang Dezember unter 250 Mitgliedsunternehmen ergeben. Allerdings verschlechterten sich die Konditionen, und die Finanzierung von Krediten, die länger als drei Jahre liefen, sei problematisch. Die Branche hat in diesem Jahr weiter Stellen aufgebaut und wird bis Jahresende 975 000 Mitarbeiter zählen – das sind 40 000 mehr als vor einem Jahr. In den letzten Monaten wurden allerdings 6000 Stellen – vor allem von Leiharbeitern – gestrichen.

Lars Zimmermann

Vergesst die Ingenieure! Wie bitte?

Heute Morgen las ich richtig? Die These von Wolfgang Münchau in der heutigen FTD: Deutschlands wichtigste Industriezweige haben ihren Zenit überschritten. Es ist Zeit, sich neu zu orientieren!

Da schossen mir Gespräche mit Klienten aus dem Maschinenbau durch den Kopf. Neulich sagte einer beispielsweise: „Herr Zimmermann, der Q7 von Audi, was soll das sein: Innovation? Mitnichten! Das ist nur eine riesen Verpackung und Spritschleuder, sonst nichts.”

Ich fuhr dann nach Hause und hatte Zeit, über das Gespräch nachzudenken. Ich erinnerte mich an das Buch von Malik „Systemisches Management, Evolution, Selbstorganisation”. Mein Kernfazit aus diesem hervorragenden Werk war: Unsere Führungseliten sind nicht ausgebildet und vorbereitet auf die komplexen Herausforderungen der Zukunft.  Sie versuchen, komplexe Probleme mit einfachsten alten Methoden von vorvorgestern zu lösen. Motto: Das hat damals auch schon funktioniert. Gestern sah ich dann im BR3 einen Fernsehbericht und als Experten für die Finanzkrise Herrn Rürup.

Ich weiss nicht, wie es den Lesern geht, aber ich versuche schon seit einiger Zeit als Freiberufler das Thema „Rürup-Rente” zu verstehen. Ich habe es aufgegeben. Unmöglich zu verstehen! Vielleicht hat das Ganze ja auch nur Methode, was ich natürlich eher befürchte. Aber zurück zum Thema.

Und gestern hatte ich dann wieder diesen Eindruck: Die Patentrezepte von gestern. Interessant war beispielsweise ein Kommentar eines Diskussionsteilnehmers, der anmerkte „…das die USA darüber nachdenken, den Dollar in seiner bisherigen Form abzuschaffen!”. Die Reaktion war interessant. Niemand – auch der Experte Rürup – gingen darauf ein. Natürlich nicht. Völlig neues Terrain. Sollen sich andere doch die Finger verbrennen. Da stehe ich lieber auf der Seite von Herrn Münchau. Es ist Zeit, Regelbrüche zu thematisieren. Nächste Woche werde ich genau das mit Klienten aus dem Maschinenbau machen. Beispielsweise: Wo liegt die Zukunft für den deutschen Maschinenbau? Welche Märkte sind das? Lassen Sie uns darüber gemeinsam hier nachdenken! Lassen Sie uns die momentane Zeit der Verunsicherung als Chance nutzen. Jetzt!

Lars Zimmermann

Kein Volk von Hedonisten?

Heute lese ich in der Welt am Sonntag einen Artikel “Kein Volk von Hedonisten” von Martin Kroh. Er befaßt sich mit dem Wertewandel in der jüngeren Generation, der sich nicht mit der polemischen Formel „Spaßgesellschaft” erklären läßt. Aber warum nun greife ich das hier im Blog auf?

Seit dreizehn Jahren nun befasse ich mich mit dem breiten Feld der Veränderungsprozesse in der deutschen Wirtschaft. Gerade in der intensiven Arbeit mit Klienten, beispielsweise beim Erstellen von sogenannten Drehbüchern, fällt mir immer wieder ins Auge, wie schwer der banal klingende Satz „Betroffen zu Beteiligten machen” umzusetzen ist . Und: Wie wenig man zu oft bereit ist, sich wirklich intensiver und tiefer mit dem Begriff VERÄNDERUNG auseinanderzusetzen. Was soll das denn genau sein – Veränderung? Was soll anders sein als heute? Wieviel Zeit will man sich für eine Auseinandersetzung nehmen? Wie emotional darf sie sein? Inweiweit ist man bereit zu erkennen, dass bei Regelbrüchen der Zustand des Bisherigen erst einmal schlechter wird, um dann mittelfristig besser zu werden. Herr Kroh schreibt mir heute aus der Seele: „Die traditionelle Industrie-Mentalität, die Leistung am besten durch Kontrolle und die Autorität von Vorgesetzten zu erzwingen sucht, hat hingegen keine Zukunft mehr. Nur zögerlich nimmt die Wirtschaft diese neue Realität an und ändert entsprechend ihre Methoden der Personalführung…”.

Als politisch interessierter Zeitgenosse lese ich auch mit Freude: “Und auch die politische Willensbildung scheint dieses neue Selbstbewußtsein noch nicht angekommen zu sein. Wie sonst ist es zu erklären, dass jüngst der Kanzlerkandidat und der Vorsitzende der Volkspartei SPD in Hinterzimmern durch einen kleinen Zirkel selbst ernannter politischer Eliten bestimmt und nicht nur den vielen Parteimitgliedern, sondern sogar dem Vorstand lediglich zum Abnicken präsentiert wurde?”

Dabei frage ich mich gerade: Ist das nicht eher der Normfall? Wo unterscheiden sich genau in diesem Punkt große von kleinen Organisationsstrukturen?

Ich lese heute Morgen voller Freude die neue Serie „Kreative Zerstörer der deutschen Wirschaft” in der aktuellen FTD.

Drohungen, Schikanen, Prozesse: Wer neue Ideen entwickelt, macht sich Neider und Feinde. Ja, vielleicht ist man sogar eher der Nestbeschmutzer in der Branche.

Die FTD zeigt auf der neuen Internetseite wunderbare Beispiele, die uns allen Mut machen, hier und da einfach mal den Regelbruch zu wagen. Eine strategische Landkarte kann dafür wirklich Gold wert sein.

Was denken Sie über die genannten Beispiele? Was kann der Investitionsgüterbereich lernen? Was könnten Sie sich vorstellen, um in Ihrer Branche B2B einen Regelbruch zu wagen?